#relating forests - Herangehensweise
#relating forests- Unsere Heranghensweise
Wie entsteht Verbundenheit mit dem Wald?
Ein Projektbericht über künstlerische Forschung, verkörpertes Lernen und die Frage, wie Kunst den Blick auf die Natur verändern kann.
Was passiert, wenn der Wald aufhört, Kulisse zu sein? Diese Frage zieht sich durch das gesamte Projekt
relating forests. Wir entwickelten gemeinsam eine Praxis, : weder Ritual noch klassisches Theater, weder Wissenschaft noch Umweltbildung.
Von der Darstellung zur Beziehung
Den Ausgangspunkt bildet eine bewusste Haltung: Der Wald wird als Mitschöpfer behandelt. In den Workshops und Performances von Rebekka Sæter (NOBA/Vitenparken), Anne-Claire Dromzee und Anne Bouchon (Cultures Éco-Actives) sowie Luzie Ackers und Marianne Cornil (TheatreFragile) entstand die Dramaturgie direkt aus dem Ort: Ein unerwartetes Eichhörnchen, das den Blick auf sich zieht. Stille, die einen Satz beendet. Die Beleuchtung bei Dämmerung, die das Ende eines Weges markiert.
Diese Offenheit für das Unvorhergesehene ist bewusste Entscheidung. Wir nennen es eine situierte, ortsspezifische Praxis: Was beispielsweise in Kinnsåsen (Norwegen) entstand, lässt sich auf keinen anderen Wald eins zu eins übertragen. Jede Aufführung ist Antwort auf einen konkreten Ort.
Der Körper als Eintrittspunkt
Anstatt Wissen über Natur zu vermitteln, setzt relating forests auf körperliche Erfahrung als primären Zugang: Moos ertasten, Baumrinde berühren, Augen schließen und lauschen, singen, atmen, gehen.
In Workshops mit Laien erwies sich der Einsatz von Masken als besonders prägend. Zunächst als performatives Mittel gedacht, wurden sie zu einem zentralen Wahrnehmungswerkzeug. Teilnehmende berichteten von eingeschränktem, aber vertieftem Sehen – einem Gefühl von Durchlässigkeit zwischen dem eigenen Körper und der Umgebung. Eine Person beschrieb den maskierten Charakter der Herløg mit den Worten: „Die Natur selbst schaute mich an."
Marianne Cornil (TheatreFragile) beschreibt diesen Übergang in ihrem künstlerischen Statement: Die Grenze zwischen Schauspielerin und Figur, zwischen Ritual und Logistik, wurde bewusst bewohnt. Das Ritual liegt in der Qualität der Aufmerksamkeit.
Mythos als lebendes Material
Das Mythische spielte eine methodisch tragende Rolle. Der lokale Mythos der Herløg Rishaug – eine Trolltochter, die sich den Menschen nähert und zurückgewiesen wird – diente als offener Rahmen, durch den das Erleben strukturiert werden konnte. Lokale Expert*innen brachten weitere Schichten ein: Volksmusikerin Lajla Buer Storli arbeitete mit Klang und Ton als Beziehungssprache zu Bäumen. Ökophilosophin Austra Apsite führte das Konzept des Mythos als „langsames Verdünnen der Landschaft" ein. Historiker Håvard Steinsholt (NMBU) erzählte von Wikingerpfaden und Ortsnamen, Baumpfleger Jeroen Scheepmaker (NMBU) führte durch den Campus als lebendes Arboretum. So entstand ein vielschichtiges Bedeutungsgewebe aus wissenschaftlichen, poetischen und körperlichen Zugängen.
Was sich verändert – und wie man es misst
Dokumentiert wurden die Rezeption durch Anne Bouchon (Cultures Eco-Actives) durch Fragebögen für Kinder und Erwachsene, entwickelt nach Maßgaben aus Umweltpsychologie, transformativem Lernen und kunstbasierter Publikumsforschung. 80 % der Kinder dachten nach dem Erlebnis anders über den Wald. Erwachsene beschrieben eine Verschiebung in ihrer Wahrnehmung: Jemand schrieb: „Vielleicht ist der Wald jetzt lebendiger für mich und spricht zu mir."
Anne Bouchon, Projektverantwortliche bei Cultures Éco-Actives, fasst den Anspruch des Projekts so zusammen: Ziel war es, Bedingungen zu schaffen, unter denen Resonanz entstehen kann.
Stille. Langsamkeit. Ungewissheit. Körper im Wald.
relating forests wird ko-finanziert durch Creative Europe. Beteiligte Institutionen: NOBA /Vitenparken (Ås, Norwegen) mit der Künstlerin Rebekka Sæter, TheatreFragile (Deutschland, Detmold) mit den Künstlerinnen Luzie Ackers und Marianne Cornil, Cultures Eco-Actives (Frankreich, Embrun) mit der Künstlerin Anne-Claire Dromzee und Projektverantwortlicher Anne Bouchon.
